Ein Kind ist kein Kind?!?

Ein Kind ist kein Kind?!?

Wie ich diesen Ausspruch hasse.

Mommywars

Er gehört für mich zu einer der schlimmsten Formen von Mommywars.
Meistens wollen sich Eltern mit mehr als einem Kind damit gegenüber Ein-Kind-Eltern profilieren. Schließlich ist es so viel bedeutsamer, was Eltern von mehr als einem Kind zu leisten haben.

Ich war nur 1,5 Jahre Mutter eines Kindes und ich fühlte mich damals nicht unausgelastet. Ich war vollkommen neu in dem Job. Ich hatte Ängste und Sorgen, wie ich sie noch nie vorher kannte. Ich kämpfte mit extremem Schlafmangel und nichts an der Babypflege war Routine für mich.

Hätte mir damals jemand gesagt, dass „ein Kind kein Kind ist“, hätte ich ihn ein paar Tage zu uns eingeladen um bei der Babypflege zu assistieren. Ich denke, derjenige wäre mit Augenringen und geheilt wieder nach Hause gegangen.

 

An seinen Aufgaben wachsen

Drei Kinder später, kann ich berichten: Ich bin an meinen Aufgaben gewachsen.
Was beim ersten Kind noch ewig dauerte, erledige ich mittlerweile im Handumdrehen. Was vor sechs Jahren noch Panik auslöste, tue ich heute oft mit einem Lächeln ab. Ich bin entspannter geworden und habe gelernt mich nicht verrückt machen zu lassen und auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich will nicht verschweigen, dass das für mich nicht leicht ist, aber ohne mehr Gelassenheit könnte ich unsere alltäglichen Herausforderungen nicht bewältigen.

Diese schleichende Verwandlung merkte ich selbst nicht wirklich. Mir fiel nur auf, dass ich immer öfter von bekannten Müttern mit den Wörtern „gelassen und ruhig“ beschrieben wurde. Wer mich kennt, weiß, dass diese Worte mit mir in einem Satz genannt nur als grobe Satire gemeint sein können. Meine Außenwirkung scheint sich mit steigender Kinderzahl verändert zu haben.

Dass sich tatsächlich etwas in mir verändert hat, merkte ich sehr intensiv am Wochenende. Wir hatten teilkinderfrei. Die beiden Großen waren für zwei Nächte bei Oma und Opa. Am Samstagmorgen saßen wir zu viert am Frühstückstisch. Papa Maus schaute mich an, blinzelte und fragte mich, ob ich die Stille auch hören könnte. Natürlich war es nicht still, aber viel ruhiger als normalerweise. Alles schien wir in Zeitlupe abzulaufen, keine Hektik, kein Trubel, nur Entspannung. Alles ging viel schneller und reibungsloser. Wir zwei geübten Vollprofis schaukelten die zwei Kinder mit links.

So geht es uns immer, wenn ein oder mehr Kinder fehlen. Es ist ruhig. Oftmals zu ruhig. Ich denke, dann gerne an die Zeiten in denen wir weniger Kinder hatten. Nein, damals kam mir das ganz und gar nicht einfach vor. Ich war genauso ausgelastet wie jetzt mit den vier Kindern. Da der Tag nicht plötzlich länger geworden ist, scheine ich die 24h anders zu nutzen. Mit der Routine kommt die Effizienz. Außerdem werden die Kinder älter und damit selbstständiger.

Natürlich warten an manchen Stellen andere Herausforderungen in einer Großfamilie, wenn beispielsweise alle Kinder gleichzeitig Termine haben oder krank sind, aber das sind Ausnahmesituationen, die mit weniger Kindern genauso entstehen können.

 

Hört auf euer Herz

Dieser Text ist für alle, die mir sagen, dass sie mit ihren Kindern bereits ausgelastet sind, die sich jedoch so sehr ein weiteres Kind wünschen und mich fragen, wie ich es schaffe mit vier Kindern. Hört ganz tief in euer Herz. Wenn ihr noch ein weiteres Kind wollt, glaubt mir ihr schafft das! In ein paar Jahren werdet ihr eure Kinder glücklich in den Arm nehmen. Ihr werdet zurückblicken und euch wundern, wie ihr damals auf ein weiteres Wunder verzichten wolltet, weil ihr dachtet, ihr könntet das nicht und ihr werdet froh sein, auf euer Herz gehört zu haben.

 

Ein Kind, ist kein Kind?!? Für mehr Selbstbewusstsein bei der Familienplanung



16 thoughts on “Ein Kind ist kein Kind?!?”

    • Hallo Martina,

      Ich denke, der Sprung von keinem auf ein Kind ist für Eltern der schwierigste. Plötzlich ist man für ein kleines Wesen verantwortlich. 24h muss man Bedürfnisse erfüllen und seine eigenen vor allem in der Anfangszeit in den Hintergrund stellen. Dazu kommt, dass man noch keinerlei Erfahrung hat.
      Mit jedem Kind bekommt man mehr Erfahrung, dass heißt nicht unbedingt, dass es mit jedem Kind leichter wird, es wird nur anders.

      Viele Grüße
      Mama Maus

    • Hallo Olga,

      Vielen Dank.

      Ja, man wächst an seinen Aufgaben und trotzdem denke ich auch, dass jede Mutter und jeder Vater ganz gut einschätzen kann, ob er ein weiteres Kind schaukeln kann. Für manche ist ein Kind ideal und die Familie fühlt sich vollständig an, bei anderen dieses Gefühl erst nach dem 6. Kind da.
      Und ich finde es wunderbar, dass jeder das für sich entscheiden kann. Schließlich müssen nur die Eltern allein glücklich mit ihrer Entscheidung sein.

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Liebe Mama Maus,
    was für ein schöner Text. Es macht Mut, ihn während meiner (zweiten) Schwangerschaft zu lesen! Manchmal sitze ich hier und weiß nicht wohin mit den ganzen Todos und denke dass der Tag mindestens 24h zu wenig hat… Aber es ist schön nochmal schwarz auf weiß zu lesen, dass man an seinen Aufgaben wächst und dass alles machbar ist.

    Danke für deine Zeilen!
    Daniela

    • Hallo Daniela,

      Zuerst vielen Dank für deinen lieben Kommentar.

      Ich bin mir sicher, dass du alle Herausforderungen wunderbar meistern wirst.
      Natürlich wird es Tage geben, die dir alles abverlangen, aber dieses Glück, dass allein ein Lächeln deines Kindes bedeutet wird das alles wieder ins rechte Licht rücken.

      Und die Sorgen während der Schwangerschaft sind ganz normal. Ich glaube jede Mutter zweifelt mal kurz an sich, das sind meistens nur die Hormone 😉

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Ein sehr schöner Beitrag. Wir haben nur ein Kind, da die Wahrscheinlichkeit, das es bei der Geburt zu lebensbedrohenden Komplikationen kommen könnte. Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie Mamas mit mehreren Kids das alles Stemmen können. Einfach der Wahnsinn!!!

    • Hallo Mamschen,

      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Es tut mir leid, dass euch medizinisch die Wahl genommen wurde, und ich hoffe ihr seid mit dieser Entscheidung trotzdem glücklich. Ich selbst bin auch ein Einzelkind und hatte eine wunderbare Kindheit. Geschwister haben mir nie gefehlt.

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Routine und Effizienz sind das eine; aber es fallen auch einfach Dinge hintenüber. Der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. Oder wenn 3 Kinder gleichzeitig schreien, kann man nur eines auf den Arm nehmen und mit einem zweiten reden. Eine solche Situation würde mit einem Einzelkind nie entstehen.
    Gelassenheit kommt automatisch, mit solchem Situationen umzugehen.
    Auch ich kenne die „Ruhe“, wenn plötzlich nur 2 statt 4 Kindern da sind. Ich frage mich allerdings auch, ob das dann nur so ist, weil mit 4 Kindern die Belastung einfach höher ist und vei nur 2 anwesenden Kindern diese plötzlich geringer ist.

    • Hallo Frl. Null.Zwo,

      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Du hast vollkommen recht, bei mehreren Kindern entstehen immer wieder Situationen in denen ein oder mehrere Kinder Rücksicht nehmen müssen bzw. ihre Bedürfnisse aufschieben müssen. Das ist nicht nur für das Kind belastend sondern auch für uns als Eltern. Wenn der „Aufmerksamkeitstank“ vorher jedoch gut gefüllt ist, klappt das besser.

      Ich denke schon, dass die Grundbelastung mit jedem Kind zunimmt, schließlich wollen in Summe mehr Bedürfnisse erfüllt werden. Es erfordert mehr Organisation um mehreren Kindern gerecht zu werden. Wenn dann plötzlich weniger Kinder da sind, fällt Arbeitsbelatung weg und alles wirkt viel einfacher.

      Ich denke, jeder kann sich vorstellen, dass mehr Kinder mehr Arbeit bedeuten. Es ist jedoch nichts, was wir als Eltern nicht schaffen würden und was uns davon abhalten sollte unseren Kinderwunsch zu erfüllen. Da stimmst du mir mit deinen vier Kindern bestimmt zu.

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Wirklich ein sehr schöner Beitrag! Es ist erfrischend, auch von einer Mutter mit vielen Kinder mal zu hören, dass es ihr damals mit nur einem Kind auch nicht wie „ein Kind ist kein Kind“ vorkam.

    Liebe Grüße Karin

    • Hallo Karin,

      Vielen Dank und ja, damals mit einem Kind war ich oft an meiner Belastungsgrenze – genau wie ich es jetzt auch manchmal noch bin.
      Es ist eben gerade beim ersten Kind noch alles ungewohnt. Bei den nachfolgenden Kinder hilft die Routine die zusätzlichen Aufgaben zu bewältigen.

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Schöner Beitrag! Ich bin selbst das Älteste von 4 Kindern. Und ich habe immer gesagt, dass ich mindestens 2, maximal 3 Kinder möchte. Nun habe ich 2, und stelle mir immer mal wieder die Frage, ob wir es nochmal anpacken sollen. Den Schritt vom ersten zum zweiten Kind fand ich gar nicht so schlimm.
    Das erste Kind war schon eine Herausforderung. Aber das lag zu großen Teilen auch daran, weil man sich vorher einfach nicht vorstellen hatte können, was da so alles auf einen zukommt. So wirklich vorbereiten kann man sich darauf ja doch nicht. Beim Zweiten war es auch anstrengend. Aber anders. Da lag es bei uns eher an der Persönlichkeit des Kindes, um es mal so zu sagen. 😉
    Das Dritte wäre jetzt nochmal eine Herausforderung: Man möchte jedem Kind ein Zimmer bieten. Das Auto ist auf jeden Fall zu klein, es wird auf jeden Fall ein Kaiserschnitt (weil die ersten beiden leider spontane Kaiserschnitte waren), …
    Das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen, glaube ich. 😀
    LG, Tina

    • Hallo Tina,

      vielen Dank.

      Ja, jedes Kind stellt neue Herausforderungen an uns als Eltern.
      Und natürlich gibt es immer wieder viele Dinge zu bedenken. Ich wünsche euch, dass ihr die für euch ideale Lösung findet.

      Viele Grüße
      Mama Maus

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