Warum jedes Kind eine Schreibmaschine haben sollte!

Warum jedes Kind eine Schreibmaschine haben sollte!

Rechtschreibung ist nicht unbedingt die Lieblingsdisziplin meiner Kinder.

So wenig wie sie sie mögen, so wichtig ist sie für das spätere Leben. Was helfen die klügsten Gedanken, wenn man sie nicht vernünftig zu Papier bringen kann.

Rechtschreibung zu üben klingt oft nach staubtrockenem Wiederholen von Vokabeln, nach stundenlangem Schreiben von Buchstabenkolonnen und Klatschen von Silben und vor allem nach Pauken von Rechtschreibregeln.

Das Kinder mit diesen Tätigkeiten keinen Spaß assozieren ist nicht verwunderlich. Aber Rechtschreibung zu üben muss nicht langweilig sein. Nein, es kann sogar Spaß machen. Wirklich!
Als der Kuschelbär Anfang des Jahres von der 1. in die 2. Klasse gesprungen ist, wurde mir bewusst, dass er einige Wissenslücken hat. Vor allem im Bereich der Rechtschreibung musste er einiges aufholen.
Anfangs habe ich passende Übungshefte gekauft und ihn jeden Tag 10 Minuten darin üben lassen. Ich habe das wirklich mit einer Stoppuhr überprüft. Weil er erstens neben den Hausaufgaben auch noch Freizeit haben sollte und zweitens ist es leichter sich eine genau definierte Zeit mit etwas unliebsamen zu beschäftigen.
Da bin ich auch schon beim Knackpunkt angelangt. Der Kuschelbär lernte mit den Heften gut, aber Spaß machte es ihm nicht. Er versuchte permanent das Üben ausfallen zu lassen und hoffte einfach, dass ich es vergesse.
Deshalb habe ich die Hefte wieder in den Schrank geräumt und mir Gedanken gemacht, wie er spielerisch im Alltag seine Rechtschreibung trainieren könnte.
Meine besten Tipps zum Vertiefen der Rechtschreibung mit Kindern:
  1. Schreiben mit der Schreibmaschine
  2. Erfinden von Geheimschriften
  3. Schreiben mit besonderen Stiften
  4. Sätze aus vorgeschriebenen Wörtern bilden
  5. Fortsetzungsgeschichten schreiben

Schreiben mit der Schreibmaschine

Durch einen Tipp von Sassi vom Blog liniert-kariert, ihres Zeichens sehr engagierte Grundschullehrerin, ist bei uns meine alte elektrisch Schreibmaschine ins Kinderzimmer gezogen. Sehr prominent thront sie auf einem Schränkchen und wartet jederzeit darauf benutzt zu werden.
Technik, und sei sie noch so alt, wirkt faszinierend auf Kinder. Nach einer kurzen Einführung hört ich immer wieder das bekannte Brummen und das zaghafte Klackern der Typen auf dem Papier.
Erst schrieben die Kinder nur einzelne Worte, aber nach und nach trauten sie sich an ganze Sätze und sogar kurze Geschichten.
Am Ende lasen wir die Geschichten gemeinsam und besprachen die Wörter, die fehlerhaft sind und wie die Geschichten an sich noch verbessert werden können. 
So haben die Kinder ganz ohne es zu merken nicht nur Rechtschreibung sondern auch noch weitere wichtige Fähigkeiten für das Schreiben von Aufsätzen geübt.

Erfinden von Geheimschriften

Diese Idee hat nicht ich sondern der Kuschelbär. Er kam eines Tages nach einer Freistunde nach Hause und hatte sein Malheft mit komischen Zeichen gefüllt. Ich fragte ihn, was das wäre und er berichtet mir stolz, dass er Wörter in Geheimschrift geschrieben hatte.
Für jeden Buchstaben hatte er sich eine Hieroglyphe ausgesucht. Bei für jeden Buchstaben ein Bild von einem Wort, das mit den entsprechenden Laut beginnt. So malte er für „Eis“ einen Elefant, einen Igel und eine Sonne. Ich war begeistert.
Natürlich muss bei einer solchen Geheimschrift besonders auf die Rechtschreibung geachtet werden, weil die Worte ansonsten nicht dechiffriert werden können.
Den größten Lerneffekt bemerkte ich beim Übersetzen der Hieroglyphen. Deshalb male ich ihm regelmäßig schwierige Wörter in Geheimschrift auf und er darf sich am Übersetzen versuchen. So macht auch das Lernen langer komplizierter Wörter viel Spaß.

Schreiben mit besonderen Stiften

Seit kurzem versuche ich mich am Brushlettering und habe mir zu diesem Zweck neue Stifte gekauft. Diese bewahre ich gesondert von den restlichen Bastelmaterialien auf und die Kinder dürfen sie nicht ohne mich nutzen. Dieser Reiz des Besonderen wirkt anziehend auf die Kinder. Vor allem die Kaisermotte, die sehr kreativ ist, fragt ständig, ob wir gemeinsam Buchstaben malen können.
Mittlerweile hat sie die Handhabung der Stifte schon gut verinnerlicht und schreibt von mir vorgezeichnete Wörter oder Sätze ab. Sehr bedacht malt sie Linie um Linie und Bogen um Bogen um am Ende ein perfektes Wort gelettert zu haben. Durch diese Konzentration auf das Schreiben an sich rückt die Rechtschreibung in den Hintergrund, wird aber nicht weniger trainiert. Vor allem visuelle Lerntypen wie die Kaisermotte merken sich so viel schneller Wörter. So kam es nun bereits mehrmals vor, dass sie mir auf Nachfrage sagte, das Wort kenne ich noch vom Schreiben mit den tollen Stiften.

Sätze aus vorgeschriebenen Wörtern bilden

Sinnvolle Sätze aus vorgegebenen Worten bilden habe ich früher bereits zu meiner Schulzeit gespielt. Bei der Vorbereitung des Spiels können die Kinder gut einbezogen werden. Welche Wörter sollen ausgewählt und wie sollen sie präsentiert werden. Dabei gibt es viele Umsetzungsmöglichkeiten: von beschriebenen Zetteln über reale Dinge bis hin zu kleinen mit Bildern beklebten Steinen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Am besten lernt es sich in kleinen Gruppen. Vor der Runde wird festgelegt aus wie vielen Wörtern die Sätze gebildet werden müssen. Dann zieht einer und entweder gewinnt der, der am schnellsten fertig ist, oder jeder der in einer gewissen Zeit einen Satz erfunden hat bekommt einen Punkt.
Dabei werden vor allem die Rechtschreibung der vordefinierten Worte stetig geübt. Sie können gezielt zu den Wissenslücken der Kinder ausgewählt werden.

Fortsetzungsgeschichten schreiben

Nicht neu, aber besonders lustig ist das Erzählen von Fortsetzungsgeschichten. Am Anfang des Spiels wird festgelegt wie viele Worte jeder Spieler auswählen darf. Am schwersten ist es mit einem Wort. Bei drei Worten ist für mich die Maximum erreicht, weil die Geschichte ansonsten zu sehr gelenkt wird.
Spielablauf, wenn jeder ein Wort schreiben darf: Der erste Mitspieler schreibt sein Wort auf einen Zettel. Der Nächste liest es und fügt ein passendes Wort an und gibt den Zettel weiter. Immer reihum wird die Geschichte um weitere Worte ergänzt und nimmt garantiert die lustigsten Wendungen. Wie oft haben wir bereits lachend am Tisch gesessen und das beim Schreiben. 
Trainiert wird nicht nur die Rechtscheibung sondern auch das Lesen von Schreibschrift.
Ich hoffe, euch haben diese Ideen gefallen und ihr könnt Anregungen für das Üben mit euren Kindern mitnehmen.
Wenn ihr weitere Einfälle habt, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen. Schließlich begleitet uns die Rechtschreibung unser Leben lang und es wird immer wieder Worte geben, die wir üben müssen. Am besten natürlich mit viel Spaß.


2 thoughts on “Warum jedes Kind eine Schreibmaschine haben sollte!”

  • Das mit der Schreibmaschine ist ja eine geniale Idee! Mein Löwenjunge (8) HASST Rechtschreibung und ich suche auch noch vergeblich nach Übungen die ihm Spaß machen könnten. Denn alles was ihm keinen Spaß macht bringt bei uns rein gar nichts, ist verschenkte Zeit. Muss mal meinen Papa fragen, ob er meine alte Maschine noch im Keller hat. Werde ich ausprobieren und berichten. Danke schon mal!
    LG Tanja

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