24 Stunden sind nicht genug

24 Stunden sind nicht genug

Elternzeit als Luxusmodell der Vereinbarkeit

Bis vor zwei Tagen war ich hoch zufrieden mit der Zeiteinteilung von Papa Maus und mir. Vereinbarkeit war für uns ein leichtes, da ich immer noch in Elternzeit bin und deshalb 24h für die Familie da sein kann ohne dringende andere Verpflichtungen.

Natürlich betreue ich den Blog, aber dort kann ich mir die Zeit im Normalfall sehr gut einteilen und auch ohne Probleme schreiben, wenn die Kinder längst im Bett sind.

 

Da Papa Maus im Homeoffice arbeitet, kann er mich auch untertags mit den Kindern unterstützen.

Sei es, dass er morgens die Brotbüchsen fertig macht oder die beiden Kleinen bei sich im Büro Musik hören lässt, wenn ich ausnahmsweise etwas für den Blog mache. Außerdem holt er die großen Kinder bei Bedarf aus der Schule, damit ich nicht die beiden Kleinen einpacken muss. Einmal in der Woche lässt es seine Planung zu und er macht das Mittagessen, während ich noch spazieren bin. Außerdem konnte ich mir den Luxus erlauben und fast täglich einen Mittagsschlaf gemeinsam mit den beiden Kleinen machen, weil die beiden Großen in dieser Zeit alleine spielten und Papa Maus immer mal ein Auge auf sie werfen konnte.

 

Ein traumhaftes Leben. Ich wusste unseren Luxus zu schätzen, schließlich kann nicht jedes Elternteil so lange in Elternzeit bleiben wie ich.

 

Die Vereinbarkeitsfalle schlägt zu

Seit zwei Tagen jedoch gerät unsere wunderbare Planung ins Bröckeln. Die Vereinbarkeitsfalle hat uns trotz Elternzeit erwischt.

Plötzlich benötigt ein Kind mehr Aufmerksamkeit. Ungeteilte Aufmerksamkeit mit 1:1-Betreuung für ein paar Stunden. Zeit, die weder Papa Maus noch ich haben. Nach 21 Uhr oder vor 6 Uhr wäre das alles kein Problem, aber da sollte ein Kind schlafen. Somit brauche ich die Zeit am Nachmittag. Der Zeit, in der Papa Maus noch arbeiten muss und ich normalerweise alle vier Kinder betreue.

Plötzlich diskutieren wir über dringende geschäftliche Termine, über Möglichkeiten Arbeitszeiten zu verschieben und ich grübele, wie ich die Arbeit am Blog noch effizienter gestalten kann.

 

Optimierungsmöglichkeiten suchen

Als erstes haben wir natürlich meinen Mittagsschlaf gestrichen. Dumm nur, dass das Kind mittags nicht einschläft, wenn keiner bei ihm ist. Das heißt ich versuche das Kind völlig entspannt in den Schlaf zu begleiten bevor die anderen beiden aus der Schule kommen. Natürlich klappt das nicht, aber zum Glück konnte Papa Maus seine Mittagspause verschieben, so dass er an der Stelle kurz übernehmen kann. Das bedeutet natürlich auch, dass er diese Zeit an anderer Stelle einsparen muss.

 

Große Spaziergänge sind am Nachmittag auch nicht mehr möglich. Sie mussten komplett auf den Vormittag verschoben werden. Allerdings nicht zu spät, schließlich muss das Mittagessen gekocht werden. Außerdem wurde das Mittagessen nach vorne verlegt, damit mehr Zeit für die Einschlafbegleitung bleibt.

 

Noch keine Lösung in Sicht

Solange die beiden Kleinen schlafen ist die 1:1-Betreuung zumindest gesichert. Dabei haben wir Glück, dass sich das andere Kind in der Zeit selbst beschäftigt.

Anschließend bin ich jedoch ziemlich ratlos. Papa Maus hat viele geschäftliche Termine am Nachmittag, die durch die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Zeitzonen auch nicht verschoben werden können. Im Endeffekt heißt das, dass ich es nicht schaffe so viel zu betreuen wie eigentlich nötig wäre. Obwohl ich in Elternzeit bin.

Vereinbarkeit heißt eben nicht nur die Aufteilung zwischen den Partnern, Vereinbarkeit heißt auch allen Kindern gerecht zu werden. Ich kann nicht drei Kinder unbeaufsichtigt lassen, nur weil ein Kind mich dringend braucht.

 

Dieser Umstand lässt mich im Moment grübelnd zurück. Ich bin zum ersten Mal an einem Punkt, an dem ich nicht 100% weiß, ob ich wirklich allen Kindern gerecht werden kann.

Eine komplette Lösung haben wir noch nicht. Zwei Tage haben wir bereits überstanden und zumindest teilweise gut gelöst. Ich merke jedoch auch, dass diese geänderten Bedingungen sehr an meinen Kraftreserven zerren. Und das waren nur zwei Tage.

Aktuell ist bis auf Sommergrippe bei allen Familienmitgliedern auch niemand ernsthaft krank. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was wir in dem Fall tun.

 

Insgeheim hoffe ich, dass dieser Zustand nicht lange anhält.

Bis dahin ändern wir Rituale, verschieben Zuständigkeiten, kürzen an unseren Hobbies und versuchen die knapper gewordene Zeit noch glücklicher auszufüllen. Alles in der Hoffnung, dass sich kein Familienmitglied zurück gesetzt fühlt.

Ja, Vereinbarkeit kann auch während der Elternzeit schwierig sein.

 

Vereinbarkeit kann trotz Elternzeit schwierig werden - Warum manchmal 24 Stunden nicht ausreichen um die Bedürfnisse aller Familienmitglieder zu erfüllen #Vereinbarkeit #Eltern #Elternzeit

 



4 thoughts on “24 Stunden sind nicht genug”

  • Hallo Mama Maus, deine Umstände sind ja wirklich traumhaft. Unter solchen Umständen hätte ich wahrscheinlich auch mehr Kinder, als ih mir zeit-mäßig momentan leisten kann. Mein Mann ist 12 Stunden am Tag außer Haus, ich gehe halbtags arbeiten und Omas und Opas leben leider nicht in unserer Nähe. Daher jeden Tag ein Drahtseilakt in Sachen Vereinbarkeit und Organisation. Schätzt euch glücklich! Viele Grüße!

    • Hallo Vreni,

      Ja, ich weiß, wie glücklich wir uns schätzen dürfen.
      Bis vor einen Jahr war mein Mann die komplette Woche nicht zuhause. Er arbeitete außerhalb und kam nur am Wochenende nach Hause. Mit drei Kinder war das schon ein echter Kraftakt, aber auch das ging. Mit wachsender Kinderzahl mehr als 7 Jahre. Zum Glück gehört das der Vergangenheit an.
      Deshalb kann ich mir vorstellen, wie es dir geht.

      Viele Grüße
      Mama Maus

  • Hallo,
    von außen kann man momentan Eure Situation nur schwer richtig einschätzen, allerdings kann Euch vielleicht § 20 SGB VIII Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen helfen.
    Dort findet sich eine Fallkonstellation die sich wie folgt liest:

    Familie K. hat drei Kinder: ein vierjähri-
    ges Kind und Zwillinge im Alter von ei-
    nem halben Jahr. Die Zwillinge kamen
    zehn Wochen zu früh auf die Welt. Einer
    der beiden Zwillinge wurde erst nach drei
    Monaten aus dem Krankenhaus entlas-
    sen. Für beide Säuglinge ist ein sehr ho-
    her Zeitaufwand für die Versorgung und
    Förderung nötig. Fast täglich sind Arzt-
    termine und Krankengymnastik erforder-
    lich. Das vierjährige Kind hat einen Platz
    im Kindergarten und wird dort halbtags
    betreut.
    Herr K. hat aufgrund der schwierigen
    Schwangerschaft und frühen Entbindung
    bereits seinen Jahresurlaub genommen
    und kann aus beruflichen Gründen seine
    Frau nicht länger tagsüber zuhause unter-
    stützten. Frau K. ist sehr erschöpft und lei-
    det unter großem Schlafmangel.
    Eine Familienpflegerin unterstützt im Auf-
    trag des Jugendamtes für sechs Wochen
    mit 20 bis 30 Stunden pro Woche die Fa-
    milie, um die Versorgung und Betreuung
    der drei Kinder sicherzustellen.

    Vielleicht lohnt sich für Euch der Gang zum Jugendamt (die in diesem Fall die Familienpflegerin beauftragen würden). Und vielleicht hilft es ja auch schon dies als Plan B im Hinterkopf zu haben.

    Viel Erfolg und alles Gute,
    Petra

    • Hallo Petra,

      vielen Dank für deinen Tipp. Ein Plan B ist nicht verkehrt.
      Wobei ich leider weiß, dass es hier bei uns in der Gegend sehr schwer ist eine Familienpflegerin zu bekommen. Während der Schwangerschaft mit dem Knuffelhasen hatte ich bereits mit dem Jugendamt deshalb Kontakt und mir konnte leider niemand vermittelt werden.

      Viele Grüße
      Mama Maus

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