Was ich alles muss… – Von Erwartungsdruck und Prioriäten

Was ich alles muss… – Von Erwartungsdruck und Prioriäten

Erwachsen zu sein bedeutet auch Pflichten zu haben.

Vor allem als Eltern kommen viele weitere Pflichten hinzu. Schließlich ist da noch ein kleiner Mensch, der von uns abhängig ist.

Deshalb heißt es immer öfter du musst.
Du musst aufstehen. Du musst Essen machen. Du musst, du musst, du musst, schallt es andauernd in meinem Kopf.
Dazu kommt noch die zusätzlichen Aufgaben, die von außen an mich herangetragen werden:

„Wenn du den Geschirrspüler immer sofort aufräumst, dann sieht es gleich viel ordentlicher aus.“
„Also wir machen unsere Betten immer direkt am Morgen.“
„Das Gras hätte aber eigentlich noch mal gemäht werden müssen.“
„Der Flur ist wohl auch schon lange nicht mehr gesaugt worden?“

Mal kommen die Aufgaben gut getarnt als nett gemeinte Hinweise, mal subtiler als Frage verpackt und manchmal auch ganz offen als Aufforderung.

Du musst, du musst, du musst.
Plötzlich scheint die ToDo-Liste unendlich lang. Viel zu lang. Unmöglich zu schaffen. Unmöglich zu schaffen ohne sich selbst zu verlieren.

Du musst noch dies und vorher noch das. Dabei darfst du jenes nicht vergessen.
Du musst, du musst, du musst.
Die Gedanken kreisen. Wie kann ich auch die letzte Minute des Tages sinnvoll nutzen? Wie kann ich möglichst viele Aufgaben abarbeiten?
Eine Spirale aus Druck und Überforderung baut sich langsam aber sicher auf. Die Prioritäten verschwimmen. Das du musst, scheint unüberwindbar zu werden. Es hält mich fest, lähmt mich und sorgt dafür, dass immer mehr Aufgaben hinzukommen ohne das andere abgearbeitet werden.

Du musst, du musst, du musst. Stopp!

Ich bin über Dreißig, habe vier Kinder und ein eigenes Haus. Ich weiß selbst was ich muss und noch viel wichtiger was ich schaffe ohne mich kaputt zu machen.

Ich beginne mich auf mich selbst zu fokussieren. Auf mich und meine Wünsche. Und plötzlich hört die Spirale auf sich zu drehen. Ich sehe wieder klarer. Kann fokussieren und priorisieren.

Ich kann unterscheiden zwischen Aufgaben, die wirklich wichtig sind und Dingen, die ich nicht mir zuliebe sondern nur meiner Umwelt zuliebe erledigen soll.

Ich möchte dafür sorgen, dass meine Familie und ich glücklich sind. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn das bedeutet, dass der Geschirrspüler nicht sofort ausgeräumt wird, weil die Kinder gerne eine Geschichte vorgelesen bekommen, dann ist das so.

Damit bleibt mir nur zu sagen: Was ich alles muss? Gar nichts muss ich! Punkt.

Und wie wunderschön ein Tag sein kann, an dem ich meine Prioritäten überdacht habe, habe ich sogar bereits verbloggt.

 

Von Erwartungsdruck und Prioritäten

 



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